· 

School Smash 1

Acht Lehrer. Zwei flackernde Vertretungsplanbildschirme. Ein Halbkreis. Keine Erinnerung daran, wie sie in die Aula gekommen waren.

„Ah ja. Also ja. Was ist denn jetzt hier los?“ Herr Schwerter, der an einem Ende des Halbkreises stand, sah verwirrt seine Kollegen an. 

„Ich weiß es nicht, aber ich müsste eigentlich gerade bei der Chorprobe sein“, erwiderte Frau Höhler, die direkt neben ihm stand.

„Die fällt aus, weil wir gerade eine Lehrerversammlung hatten!“ Herr Leiher verdrehte die Augen und kicherte dabei leise.

„Also darauf hab ich jetzt wirklich gar keine Lust! Was zur Hölle machen wir…“ Doch bevor Frau Adidas den Satz beenden konnte, der jedem auf der Zunge lag, ertönte ein bedrohliches Lachen. Alle Köpfe fuhren herum und sahen zu den Bildschirmen, auf denen sich langsam ein Bild aufbaute. 

„Ein neues Jahr. Eine neue Welt. Und am Ende…kann nur eine Germany’s Next Topmodel werden! Nur ein kleiner Scherz am Rande. Wo war ich noch gleich? Ach ja. Und am Ende des Abenteuers wird nur Einer übrig bleiben.“

„Ah ja, ok“, meint Herr Schwerter.

„Chef! Herr Dr. Christoph, Sir!“ Herr Hufschmied, der neue Lehrer in der Truppe, salutierte. 

„Dr. C.! Nur Dr. C., bitte.“ 

„Ja, und was wollen Sie jetzt von uns, Dr. C.?“, fragte Herr Tiroler uninteressiert. 

„Immer mit der Ruhe, Herr Tiroler. Lassen Sie mich doch erstmal dieses Spiel erklären. Normalerweise quälen Sie alle hier immer Ihre Schüler, dieses Mal quälen Sie sich gegenseitig. Die Regeln sind ganz einfach: Sie sind in zwei Smashs eingeteilt. In Smash A sind Florian Tiroler, Martina Höhler, Matthias Schwerter und Simon Hufschmied. Im gegnerischen Team dagegen, Smash B, befinden sich Christiane Adidas, Thomas Kauz, Ursula Frischsaat und Markus Leiher. Ihr Ziel, liebe Kollegen, ist es, den anderen Smash auszulöschen, denn nur dann können Sie aus dieser Parallelwelt entkommen.“

„Also wirklich, mein Lieber. Auslöschen. Wir begegnen uns doch alle mit Frieden. Wir sind Arbeitskollegen und pflegen ein harmonisches Umfeld, an Krieg ist da doch gar nicht zu denken“, meinte Frau Frischsaat beschwichtigend.

„Ja klar, wir sind eine harmonische Familie“, murmelte Herr Kauz sarkastisch. 

„Wie bitte, Thomas?“

„Ich habe nichts gesagt, Ursula.“ 

„Ruhe jetzt!“, unterbrach Dr. C die Beiden. „Noch denken Sie vielleicht nicht an Krieg, aber Ihnen wird nichts anderes übrig bleiben. Also dann: Möge der bessere Smash gewinnen!“

Sobald er geendet hatte, klappten unter den Füßen aller Mitstreiter Falltüren auf und bevor sie überhaupt kapierten, was los war, fielen sie alle in die Tiefe. Der Kampf hatte begonnen. Ob sie nun wollten oder nicht.

 

DREHSTUHLMAN

Was für einen dramatischen Abgang meine Kollegen da gerade hingelegt haben. Die ihr vielleicht gar nicht erkannt habt, mit ihren neuen Arena-Namen. Und auch meiner ist vielleicht gar nicht so einfach zu entschlüsseln. Aber zurück zum Thema: Wenn ich ehrlich bin, traue ich keinem von denen so wirklich zu, dass er das Zeug hat zu gewinnen. Zum Glück habe ich hier den besten Job. Einfach faul auf meinem Drehstuhl durch das Zimmer fahren, den ich mir von Florian ausgeliehen habe. Und ich finde echt Gefallen an dem Ding. Vielleicht mach ich das öfter, anstatt nur so durch das Klassenzimmer zu tigern. Aber bei dem ganzen Stress, der sich da in der Arena abspielt, hab ich ganz vergessen euch zu sagen, wer ich bin: Teaser Flickerstle. Der wahre Held in diesem Schlamassel von “Versagern”. Sind wir mal ehrlich: Selbst in ganz dunklen Zeiten habe ich mehr Hoffnung gesehen als hier. Ich würd es sicher besser machen, aber ich kommentiere nur. Also um euch auf den neuesten Stand zu bringen: Die beiden Smashs sind gerade im Keller gelandet, getrennt durch eine Wand. Und sie sind alle ein wenig durcheinander, selbst die Klügsten unter ihnen. Nur Herr Hufschmied, der Neue unter ihnen scheint einen kühlen Kopf zu bewahren. Und unsere Psychologin geht das Ganze auch eher weniger panisch an. Aber macht euch selbst ein Bild davon. Wir sehn uns!

 

SMASH A

„Ich beglücke alle mit meinem musikalischen Talent, leite das Orchester, den Chor… und dann sowas? Das ist doch die Höhe, ich find das einfach nicht in Ordnung!“

„Ah ja, genau, der Chor. Und das Orchester. Was machen die jetzt ohne dich, Martina?“ Herr Schwerter kratzte sich verloren am Kopf.

„Also ich glaub meine Schüler schaffen das schon ohne mich“, brummte Herr Hufschmied gelassen, der sich ein wenig umsah.

Sie befanden sich in einem Kellerraum, in dem offensichtlich alter Kram gelagert wurde. 

„Das ist komisch. Ich habe keine Ahnung, wo wir sind und ich kenne diese Schule doch schon recht lange.“

„Vielleicht warst du nur einfach noch nicht hier?“ Herr Hufschmied trat hinter Herr Tiroler, der gerade die Türklinke herunterdrückte. 

„Ist offen“, erklärte er seinen Kollegen, „ich wäre dafür, wir sehen uns erstmal um.“

Zu viert traten sie auf den Gang, der schwach beleuchtet war. Die Wände waren kahl und von irgendwoher hörten sie den Wind pfeifen.

„Wo kommt das denn her? Ist hier irgendwo eine Tür offen?“

„Vielleicht könnten wir durch die Tür fliehen? Sie muss ja schließlich nach draußen führen“, schlug Herr Hufschmied vor.

„Aber müssen wir denn überhaupt fliehen? Wir können doch nicht die Anderen einfach zurücklassen!“

„Ja, da stimme ich Martina aber zu. Also ich finde wir sind eine große Familie und ich denke, Familien sollten zusammen halten“, predigte Herr Schwerter.

„Da hast du vielleicht Recht, Matthias, aber du weißt nicht, was die Anderen planen. Vielleicht arbeiten sie gerade an ihrem Plan, uns zu vernichten.“ Herr Tiroler senkte den Blick, weil er gar nicht erst daran denken wollte. „Kommt, wir sollten diese Türe suchen.“

 

SMASH B

Während Smash A erst losging, hatte Smash B schon einen weiten Weg zurückgelegt. Sie hatten den Pausenhof überquert und standen jetzt neben dem Bolzplatz und vor dem Tor, hinter dem das Stadion war. Oder eher sein müsste, denn außer Trümmern war hier nichts mehr.

„Das Stadion! Wo sollen die Schüler denn jetzt im Sommer zum Laufen und Sprinten gezwungen werden?“, rief Frau Adidas geschockt aus.

„Keine Sorge, Christiane, dir fällt da doch sicher was anderes ein, oder?“, beruhigte sie Herr Kauz.

„Die Schüler sollten nicht zu etwas gezwungen werden, was sie nicht möchten. Wir sollten ihnen die Entscheidung überlassen, was gut für sie ist und was nicht.“ 

„Tut mir leid, Ursula, aber ganz so funktioniert das nicht. Würde ich denen die Entscheidung überlassen, ob sie sich etwas Gutes tun und meinen Unterricht besuchen wollen, würden die alle das Falsche wählen.“

„Das liegt dann aber an deinem Unterricht, Markus“, meinte Herr Kauz trocken.

„Wir haben keine Zeit für Streitereien. Markus, meinst du, du kannst über das Tor klettern?“ 

„Ja, das schaffe ich locker.“

„Halt!“, rief Frau Adidas. „Das würde ich nicht tun. Wir müssen alle drüber und was erwartet uns dort? Hier ist nichts, wie es sein sollte. All diese Trümmer. Und es wird schon dunkel. Lasst uns eine Nacht abwarten und morgen einen Plan austüfteln.“

Herr Leiher knirschte missbilligend mit den Zähnen, aber stimmte ihr dann zu. „Na schön. Ist die Tür zum Kunstsaal auf?“ 

Er deutete über die Treppen und Frau Adidas hüpfte hoch, nur um die Tür triumphierend aufzustoßen. 

„Sieht gut aus!“, rief sie und schlüpfte nach drinnen. 

Auch der Rest von Smash B folgte ihrem Beispiel und nur wenig später, schliefen alle. Alle bis auf Frau Frischsaat, die draußen vor dem Tor stand und es nachdenklich betrachtete.

„Ursula? Bist du das?“ Herr Leiher war wach geworden und ging zu ihr runter. Er war sich nicht sicher, weil es so dunkel war, aber als er näher kam, erkannte er sie.

„Du schlafwandelst? Das wusste ich gar nicht. Komm, wir sollten reingehen.“

Er packte sie an den Schultern und wollte sie vorsichtig Richtung Zimmer bewegen, als sie sich plötzlich losriss und gegen das Tor warf.

„Was tust du da?“, rief Herr Leiher panisch, aber sie hörte ihn nicht.

Und als ihr Körper mit dem Tor in Berührung kam, entstanden plötzlich tausend Funken. Sie stoben auseinander, alle in Form von Blume- und Peace-Zeichen.

„Ursula!“, rief Herr Leiher panisch, aber es war zu spät. 

„Im Krieg, Markus, gibt es keine Sieger“, flüsterte sie ihm zu, ehe ihr Körper sich in die Luft erhob und von einem Blumenmeer davongetragen wurde.

„Nein!“, schrie er hilflos.

Alles wurde wieder schwarz. Es war so, als wäre nichts passiert. Er hob seinen Blick und sah jemanden am Fenster stehen. Es war Herr Schwerter, der alles fassungslos mitangesehen hatte.

„Oh doch, Ursula. Es gibt Sieger. Es gibt einen Sieger. Und der werde ich sein. Ich werde dich rächen.“

Seine Mundwinkel zogen sich nach oben und er begann düster zu lachen…

 

 

Fortsetzung folgt…