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Weihnachten mal anders

November: Die Morgen sind auf einmal dunkel, der erste Schnee fällt, die seit Oktober verkauften Lebkuchen werden nahe der Kasse platziert. Man bezeichnet selbst die Voradventszeit schon als „Weihnachtszeit“ , wenn Halloween vorbei und Temperatur unter 4°C gesunken ist. 

Am 24. Dezember kehren viele nach dem Besuch des Gottesdienstes zu einem geschmückten Christbaum mit Geschenken drunter nach Hause – anschließend wird mit der Familie gespeist, bevor die Kinder ins Nebenzimmer rennen, um ihre vom Christkind gebrachten Spielsachen direkt auszutesten. 

Bei einem Christenanteil von 58% und einem vergleichsweise geringen Anteil anderer Religionen/ Spiritualitäten (7%; Stand 2017) in der Gesellschaft, fragt man sich schon alle Jahre wieder:

"Was zelebrieren andere Kulturen während dieser Feiertage?"

Bei meiner Recherche habe ich nicht nur Mitschülern anderer Glaubenszugehörigkeiten diese Frage gestellt, sondern mich auch bei verschiedenen Gebetshäuser und Tempeln in München erkundigt.

 

Islam (Atike, 10c)

Wir machen während der Weihnachtsfeiertage nichts Besonderes, wir behandeln diese wie jeden gewöhnlichen Tag. Wenn wir uns in unserem Freundeskreis gegenseitig beschenken, mache ich da mit. Das Ambiente, welches etwa durch Christkindlmärkte oder Dekorationen vermittelt wird, gefällt mir. Meine Familie trifft sich jedoch zu dieser Zeit, also ist Weihnachten für mich eher eine Zeit, meine Verwandten wieder zu treffen oder die Menschen wirklich wert zu schätzen, die in meiner Umgebung sind. Das nächste große Fest ,an welchem ich teilnehme ,ist Ramadan, da muss ich aber noch bis Juni warten.

 

Hinduismus (Medha, 10c)

In Indien gibt es einige Christen, jedoch gibt es im Hinduismus Weihnachten an sich nicht. An sich hat es ja etwas mit der Geburt des Messias oder eines Gottes zu tun. Der Hinduismus ist polytheistisch (es gibt mehr als eine Gottheit) und hier werden die Geburten und Entstehungen verschiedener Gottheiten auch als Festtage angesehen. Das ist dann sozusagen für uns „Weihnachten“ – selbstverständlich heißt es dann aber anders.

 

Buddhismus (Laura, 10a)

Meine Familie trifft sich um die Weihnachtszeit mit anderen vietnamesischen Familien mit Kindern. Die Älteren plaudern untereinander und für jedes Kind gibt es einen Umschlag mit Geld, zu welchem die anderen Erwachsenen (natürlich nicht die eigenen Eltern) alle ein wenig beisteuern – am Ende würde sich also ein Geld“verlust“ ausgleichen. Weihnachten ist für uns eher eine Zeit des Zusammenkommens als eine spirituelle. 

 

 

Judentum *Leider konnte ich aufgrund mangelnder Kontakte niemanden persönlich hierzu befragen. Falls jemand Ergänzungen hat oder seine persönlichen Eindrücke zu Chanukkah schildern möchte, ist er/ sie herzlich dazu eingeladen, uns eine Nachricht zu schreiben oder persönlich anzusprechen!*

Anfang Dezember findet Chanukkah statt, das achttägige Lichterfest, bei welchem jeden Abend eine neue Kerze an der Menorah (einem Kerzenständer mit acht Armen) entzündet wird. Der erste Tag hiervon fällt auf den 25. Kislev und der letzte auf den 2. Teslev des jüdischen Kalenders. Vor allem beim Entzünden der ersten Kerze wird gebetet und manche entscheiden sich, passende Chanukkah-Lieder zu singen. Traditionell findet eine Bescherung an allen acht Tagen statt, jedoch entscheiden sich viele jüdische Eltern dazu, ihren Kindern am achten Tag alle Geschenke auf einmal zu überreichen. Außer der Menorah ist ein beliebtes Symbol für diese Feierlichkeit der Dreidel, einem Kreisel mit vier Seiten, der oft an jüdische Kinder verschenkt wird. Auf jeder dieser Seiten steht ein Buchstabe des jüdischen Alefbets, welche zusammen den Satz „Ein großes Wunder geschah hier/dort.“ ergeben.

In Israel sind während dieses Festes Ferien und es fand dieses Jahr vom Sonntag, den 2. Dezember bis Montag, den 10. Dezember statt.

 

 

Wenn man mal die aufgelisteten Feste vergleicht, sieht man eine große Gemeinsamkeit: Bei allen kommt die Familie zusammen, auch wenn die einen oder anderen dafür vielleicht ins Flugzeug steigen müssen. Es wird zusammen gegessen, gelacht und Erinnerungen werden geschaffen. In der Weihnachtszeit sollte man also bedenken, dass es keine Rolle spielt, ob viele oder wenige Geschenke unter dem Baum sind, denn das größte Geschenk -  Zeit mit den Menschen die man gern hat - hat einen unbezahlbaren Wert.

Lucy