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 Smartphone-Fasten und wie ich es überlebt habe

Bestimmt war jeder schon mal in einer Situation, in der er am Handy war, obwohl er es vielleicht nicht hätte sein sollen. Etwa, wenn man beim Lernen nur kurz einen „Blick auf die Uhr wirft“ (auch bekannt als 10 Minuten lang durch Instagram scrollen und Leuten davon erzählen, wie man ja eigentlich lernen sollte) , vor dem Einschlafen noch die Staffel auf Netflix zu Ende oder Nachrichten schaut, weiß selbst, dass dies nicht richtig ist – trotzdem unterlässt man es nicht. Schließlich sind Smartphones in der digitalisierten Welt nicht mehr wegzudenken, oder?

Dieser Behauptung wollte ich nachgehen und habe mich deshalb entschlossen, einen Monat lang auf mein geliebtes Smartphone zu verzichten. Das heißt also: Kein Whatsapp, kein Instagram, kein Spotify und kein Netflix!

 

Schritt 1: Bekanntgebung

Vorher wurde ein Fließtext in meinen Notizen zusammengebastelt, in dem ich die Situation erklärte und den Empfängern meine E-Mail-Adresse und Festnetznummer gab. Die Reaktionen waren überwiegend positiv und motivierend, jedoch meinten einige, dass ich das doch „eh nicht schaffe“ und ein Mal wurde ich sogar gefragt, ob ich damit versuchen würde, elegant ein von meinen Eltern erteiltes Handyverbot zu kaschieren. Das hat mir nur noch mehr Vorfreude auf das Experiment bereitet. 

 

Schritt 2: Abschied 

So ganz wie in einem Schwarz-Weiß-Film, in dem sich die zwei Turteltäubchen betrübt voneinander verabschieden, lief das Ganze nicht ab. Das Gerät wurde einfach nur in die Originalverpackung gelegt. Alternativ kann man auch Angehörige es verstecken lassen oder die Batterie in den Ozean werfen (das macht ihr bitte nicht, die Meeresfauna fände das nicht sehr amüsant). 

Von dem Moment an fühlte ich mich so frei wie lange nicht mehr. Das Leben kann jetzt richtig losgehen, dachte ich mir. 

 

Schritt 3: sein alltägliches Leben mit einigen Umstellungen führen

Um in der S-Bahn Musik anhören zu können, musste ich die Lieder einzeln von YouTube auf den PC und dann auf den MP3-Player laden. Bei Fragen zu Hausaufgaben wurde zum Festnetztelefon gegriffen – Pech hatte man, wenn niemand an die Leitung ging. Zum Glück ist das Bimmeln des touchscreenlosen Geräts, das in der Küche steht, viel schwerer zu ignorieren oder überhören, sodass man es sofort mitkriegt, wenn der vorherige Anruf erwidert wird. 

 

Schritt 4: neu gewonnene Vorteile genießen

Studien haben schon mehrere Male gezeigt, dass Smartphonenutzung unserem Schlafrhythmus immens schadet. Dies liegt nicht nur an den blauen Wellenlängen, die etwa der Bildschirm absondert, sondern auch daran, dass das Gehirn durch das abendliche CandyCrush-Spiel oder den „Gute Nacht“-Roundsnap, der als soziale Interaktion dienen soll, zu aktiv wird und dadurch länger braucht, um wieder runterzukommen. Schon in der ersten Nacht habe ich gemerkt, wieviel mehr und besser ich geschlafen habe. Aufstehen ging viel schneller und ich wurde nicht durch Müdigkeit in der ersten Stunde geplagt. 

Ein weiterer schöner Aspekt ist, wie sehr man seine Zeit wertschätzt und wieviel sinnvoller man sie verbringt. Jeden Tag habe ich lange Spaziergänge betrieben oder habe mich mit Freunden getroffen und Brettspiele gespielt. Allgemein ist es so viel angenehmer, wenn man nicht befürchten muss, dass der Gesprächspartner nicht mitten im Satz aufhören wird, dir zuzuhören, um Notifications anzusehen. 

 

Schritt 5: Reflektion

Als ich merkte, dass der Monat sich langsam dem Ende neigte, wurde ich, erstaunlicherweise, ein wenig traurig. Was mir anfangs als beinahe unmöglich erschien, hatte mir die beste Erfahrung meiner Teenagerjahre beschert – und jetzt würde das alles mir weggenommen werden. Ich hatte keine Lust darauf, wieder ständig auf unnötige Nachrichten antworten zu „müssen“ oder etliche Stunden damit zu verbringen, Mitmenschen auf diversen sozialen Medien virtuelle Anerkennung zu schenken. Dann habe ich nachgedacht. Nutze das als einen Ansporn, deinen Umgang mit Medien zu verbessern. Du bist nicht dazu verpflichtet, auf Nachrichten sofort zu antworten. Wer es dringend nötig hat, der kann auch in Person auf dich zugehen. Ihr seid auch Freunde, wenn ihr wochenlang nicht schreibt! 

Eine Weisheit, die ich aus diesem Selbstprojekt mitgenommen habe, würde ich noch gerne mit euch teilen: Trotzdessen, dass wir in einer Welt leben, die technisch immer weiter voranschreitet und mehr und mehr Kommunikationssysteme entwickelt, ist es vollkommen akzeptabel, auch mal den Stecker zu ziehen und in eine digital gesehen andere Zeit zurück zu reisen!

 

~Lucy, 10a